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Übungsalltag
Gedicht zum Herbstfest 2008
 
      

Der Frühling ist zwar schön,
doch wenn der Herbst nicht wär’,
wäre zwar das Auge satt,
doch der Magen leer.

Und so feiern wir Johr für Johr,
das Herbstfest mit dem Gemischten Chor.
Bei Musik, Essen, Trinken, Singen,
wollen wir die Zeit verbringen.

Es ist schön, dass sie uns besuchen,
trinkt neuen Wein, esst Zwiebelkuchen,
esst die Zwiebeln und die Krusten,
das fördert den analen Husten.

Im Mai, da hatt’s uns hart getroffen,
der Proberaum ist abgesoffen.
Und wegen den so vielen Pfützen,
können wir den Raum nicht nützen.

Mit Gebläsen konnt’ es nicht gelingen,
den Boden wieder trocken zu bringen
und man meint - es ist zum Lachen,
der Müller Hans soll einen Schwimmkurs mache.

Etwas Glück hatten trotzdem wir,
denn wir besitzen kein Klavier,
denn bei solchem Wassermarsch,
wär’ das Instrument bestimmt  - - kaputt.

Probleme gibt’s beim Flügel keine,
der bekommt nur nasse Beine.

Und um montags doch zu proben,
sind wir in’s Foyer gezogen.
Macher Chorist ist darüber froh,
der Weg ist nicht so weit auf’s Klo.

Und von unserm Probe-Leben
möcht’ ich euch ein Abriss geben:
Montagabend kurz vor acht,
wird die Halle aufgemacht.

Die ersten stell’n die Stühle auf,
der Horst, der holt die Noten rauf,
zwei Mann die sind schon ganz in Rage,
und schieben den Flügel aus der Garage,

dem Bernhard ein’ge schon zu winken,
sag, gibt’s heut Abend nichts zu trinken.

Auch nach acht kommen sie noch angerannt,
vor allem die, im Ruhestand.
Es dauert dann noch ’ne Viertel Stunde,
bis jeder seinen Platz gefunde’.

Lässt einer dann zu spät sich blicken,
bekommt ein Tenor die Tür in Rücken.
Den Nachbar noch willkommen heißen,
während wir schon mit dem Kopfe kreisen.

 

Denn bevor wir an das Singen denken,
müssen wir den Hals verrenken.
Und um uns richtig wach zu rütteln,
müssen wir Händ’ und Füße schütteln.

Wir üben erst nur Konsonanten,
man meint: wir wären Asylanten.
Mit kurzem s wird festgestellt,
ob jedem das Gebiss noch hält.
Und ist vollendet dieser Test,
und sind noch alle Zähne fest,
von Ausfall keinerlei Gestalten,
dann wird das s lang angehalten.

Und wenn Frau Marjanov bis sechzehn zählt
und uns die Luft ab vierzehn fehlt,
die Stimme dann ganz leis’ verhallt,
dann merkt man gleich: jetzt werd’ ich alt.

Wir singen dann die höchsten Tön’,
und manchmal klingt es wunderschön.
Frau Marjanov die muss man loben,
sie lernt uns sehr viel in den Proben.

Manchmal muss sie Grenzen setze,
sonst hören sie nicht auf zu schwätzte.
Sie sagt: „Probier’n wir mal,
die Seite zwei von dem Choral.“

Schon ruft ein Bass: „Ich kann nicht singen,
Horst, du musst mir Noten bringen.“
Der Horst schreit: „Halt du die Klappe,
die Noten sind in deiner Mappe.“

Wir ochsen dann ganz schön,
das geht so immer bis um zehn.
Und hat ein Lied nicht gut geklungen,
so wird es halt noch mal gesungen.

Damit die Stimm sich regeneriert,
wird anschließend noch mit Bier geschmiert.
Bis die Gertrud sagt: „Jetzt trinke aus,
dann sind wir noch vor zwölf zu haus!“

Eines fehlt uns doch so sehr,
es müssen junge Sänger her,
und um zu singen auch noch morgen,
wird Frau Marjanov für Nachwuchs sorgen.

Nächstes Jahr haben wir viel vor,
wir feiern nämlich hundert Johr.
Wir haben aber kein Chorist,
der wirklich hundert Jahr alt ist,

so alt kann doch kein Sänger sein,
der Jubilar ist der Verein.
Uns sie können sicher ahnen,
der Vorstand ist schon fest am Planen.

Wir Sänger üben mit voller Kraft,
es sind noch alle gut im Saft,
und wir hoffen dass es gelingt,
dass man in hundert Jahr noch singt.


Konrad Graner

 

 

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